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Den Coasters haftet in Neuseeland der Ruf an, einen eigensinnigen, leicht bärbeißigen Charme zu pflegen - vor allem aber die Tugend der Gastfreundschaft. Im Charakter der Leute von der einsamen Westküste der Südinsel spiegelt sich etwas von der urtümlichen Natur wider, die sie umgibt. Die Region Westcoast ist in ihrer Vielfalt immer für eine Überraschung gut: Gletscher, die bis in den Regenwald reichen, Pinguine inmitten üppiger Vegetation, Hochgebirge und Meeresküste auf engstem Raum. Für die Neuseeländer ist das unberührte Land ganz einfach ‘the coast’ - die Küste schlechthin. Und für jeden, der stilles Naturerleben mit Aktivurlaub verbinden möchte, ist es ein echter Geheimtipp.
 Rafting auf South Island (Foto: Tourism New Zealand) Nach Osten hin abgeschirmt von den höchsten Gipfeln der Südalpen und nach Westen von der rauen Tasmansee, scheint das Land zwischen Karamea und Haast seine Schätze eifersüchtig zu hüten. Trotz Gold- und Jadevorkommen blieb die Westküste dünn besiedelt und bewahrte ihre wirklichen Reichtümer: Urwälder voll seltener Vögel, Bergriesen im ewigen Eis, bizarre Küsten, reißende Gebirgsflüsse und stille Seen. Wer auf dem Glacier Highway von Westport aus südwärts reist, dem bietet sich ein touristischer Höhepunkt nach dem anderen.
Als hätten Riesen der Vorzeit Unmengen von Pfannkuchen angehäuft - so wirkt die Küste bei Punakaiki. Die Pancake Rocks, von den Gezeiten bizarr geformtes Sedimentgestein, und die Blowholes, Felslöcher, durch die bei Flut meterhohe Fontänen schießen, machen einen Abstecher nach Punakaiki zu einem aufregenden Naturerlebnis. Darüber hinaus kann man bei einer Schlauchbootfahrt seltene Seevögel kennen lernen oder mit Seehunden und Delphinen schwimmen. In den Tiefland-Urwald und die höhlenreichen Berge des Paparoa Nationalparks im Hinterland von Punakaiki führt Underworld Rafting - Norwest Adventures aus Westport. Eine Rafting Tour durch eine der größten Tropfsteinhöhlen Neuseelands, kombiniert mit einem Ausflug in die Wildnis des Nationalparks gehört zu den großen Westcoast-Abenteuern.
Ein Ausflug nach Shantytown bei Greymouth ist eine wahre Zeitreise. Sie führt 130 Jahre zurück in die kurze, aber wilde Epoche des Goldrauschs. Goldsucher aus aller Herren Länder verursachten damals - vorübergehend - die einzige Bevölkerungsexplosion, die die Westküste je erlebt hat. Bis heute findet man an der Westküste Gold von besonders reiner Qualität. Und auch dem Typus des Glücksritters begegnet man an der Westcoast noch immer auf Schritt und Tritt. In Shantytown wurde ein altes Goldgräbernest mit Originalgebäuden komplett nachgebaut. Von Greymouth aus werden täglich zwei geführte Ausflüge hierher angeboten. Nach der Fahrt mit einer alten Dampflok und einem Besuch im Saloon kann jeder Besucher der Stadt seinen eigenen Claim abstecken und echte Nuggets schürfen.
Einen anderen Schatz suchten schon in frühesten Zeiten die Maori in Te Wahi Pounamu, dem Ort des grünen Steins, wie sie die Westküste nannten. Denn sie kannten vor der Ankunft der Pakeha, der Europäer, kein härteres und dauerhafteres Material als Jade. Sie verehrten in dem grünen Stein aber nicht nur dessen materielle Eigenschaften, sondern auch das mythische Wesen Waitaki, das hier an der Westküste von dem Ungeheuer Poutini bewacht wurde. Die kleine Hafenstadt Hokitika ist heute das Zentrum des neuseeländischen Jadehandels. Reisende finden hier zahlreiche Gelegenheiten, preiswerten Jadeschmuck direkt beim Hersteller zu kaufen, z.B. in der Westland Greenstone Factory. Besonders begehrt sind die traditionellen, glücksbringenden Amulette der Maori, die Hei-tikis.
Von der kleinen Siedlung Whataroa aus, etwa 90 Kilometer südlich von Hokitika, ist ein Abstecher zur Lagune von Okarito ein unbedingtes Muss. Nach einer Bootsfahrt und einer kurzen Wanderung durch Urwald und Schilfland erreicht man die Nistplätze des majestätischen Silberreihers, von den Maori Kotuku genannt. Die Faszination, diesen seltenen, eleganten Vogel zu beobachten, wird durch phantastische Panoramablicke auf das Bergmassiv der Südalpen noch gesteigert. White Heron Sanctuary Tours in Whataroa bietet diese Tour immer außerhalb der Brutzeit der Silberreiher an, von November bis Februar.
Ein Höhepunkt jeder Reise entlang der Coast ist der Aufenthalt am Franz Josef- und am Fox-Gletscher. Ein Naturwunder wie diese beiden gewaltigen Eiszungen bietet sich auf der Welt kein zweites Mal. Von den Schneefeldern unterhalb des Mt. Tasman - mit 3.498 Metern Neuseelands zweithöchster Gipfel - schieben sie ihre Eismassen fast 15 Kilometer talwärts bis auf etwa 200 Meter Meereshöhe. Dabei durchqueren sie mit einer Geschwindigkeit von fünf Metern täglich alle Vegetationszonen bis hinein in den Regenwald. Wanderern blinkt im Urwald unvermittelt das Weiß des Eises durch das Grün der Bäume entgegen.
Der Ort Franz Josef erhielt, wie der Gletscher, den Namen des österreichischen Kaisers 1862 von dessen Landsmann, dem Forscher Julius von Haast. Hier und in Fox Glacier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Westland Nationalpark und die Gletscher kennen zulernen. Eine geführte Halbtageswanderung auf den Fox-Gletscher z. B. bietet Alpine Guides in Fox Glacier an. Wer die höher gelegenen Eisregionen erreichen will, kann an einer Helihike-Tour des gleichen Anbieters teilnehmen. Ein Helikopter bringt die Gäste in die Welt des ewigen Eises und holt sie nach einer mehrstündigen, geführten Wanderung wieder ab. Ein eiskaltes Vergnügen ist auch eine Wildwasserfahrt auf dem Waiho River, der aus dem Franz Josef-Gletscher entspringt. Darüber hinaus ist der Westland Nationalpark ein ideales Urlaubsziel für Bergsteiger, Wintersportler und Sportfischer.
Ein besonderes Juwel unter den landschaftlichen Schätzen Neuseelands ist der Lake Moeraki. Der See liegt einsam in der Wildnis westlich von Fox Glacier. In seinem kristallklaren Wasser spiegelt sich an schönen Tagen das Bild der höchsten Berge Neuseelands, des Mt. Tasman und des 3.764 Meter hohen Mt. Cook. Bei den Maori heißt dieser Bergriese Aorangi - „der die Wolken durchbricht“.
Mehr als irgendwo sonst in Neuseeland hat sich an der Westküste die Natur ihren ursprünglichen Zustand bewahrt. Dass dies so bleibt - diesem Ziel hat sich der Biologe Dr. Gerry McSweeney verschrieben, der nicht weit von Haast die Wilderness Lodge am Lake Moeraki betreibt. Die Lodge ist mehr als nur eine erstklassige Unterkunft. Mitten im Urwald zwischen Lake Moeraki und der Tasmansee gelegen, ist sie ein Paradies für jeden, der - auf umweltschonende Weise - seltene Tiere hautnah erleben will. Dazu gehören z.B. Vögel wie der Kiwi, der Tui und der Korimako, die es nur in Neuseeland gibt. Ein unvergessliches Erlebnis ist immer die Beobachtung der seltenen Tawaki-Pinguine, die von Juli bis Dezember in den Küstenwäldern brüten. Dr. McSweeney bietet seinen Gästen mehrere kompetente Führungen an, z.B. eine Halbtagesexkursion zu Seehunden und Pinguinen oder eine Kanu-Safari vom Lake Moeraki zur Tasmansee.
Das fast menschenleere Land um Haast wirkt ein wenig wie das Ende der Welt. Als ob sie sich der Zugehörigkeit zum Rest des Planeten speziell versichern müssten, haben die Einwohner des kleinen Orts eine Tafel mit einer Weltkarte aufgestellt, die Haast im Mittelpunkt der „Other Main Centres“ zeigt, also der übrigen Metropolen wie London, Berlin oder New York. So viel noch einmal zum Charme der Coasters, deren Welt in Haast wirklich zu Ende ist. Der Highway Nr. 6 verlässt hier die Westküste und windet sich hinauf in die Berge und Hochebenen von Central Otago. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Quelle: Tourism New Zealand / bearbeitet von pairola-media
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