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Wussten Sie, dass die Erde weder durch den Urknall noch durch siebentägiges Werk entstanden ist? Zumindest nicht, wenn man der Legende der neuseeländischen Ureinwohner Glaube schenkt. Die Maori stellen sich die Schöpfung nämlich als einen Familienstreit vor: Der Himmelsvater Rangi und Erdmutter Papa liebten sich so sehr, dass sie stets eng beieinander lagen. Ihre Kinder hatten sie zwischen sich eingeklemmt. Die ewige Enge und Dunkelheit war den Kleinen bald zuviel. Mit Gewalt trennten sie Vater und Mutter – also Himmel und Erde. Weitere Kabbeleien unter den Geschwistern brachten Wasser, Berge, Wälder, Winde und schließlich den Menschen in die Welt. Die Tradition der polynesischen Urbevölkerung mit ihren faszinierenden Mythen ist auch heute noch ein wesentlicher Teil neuseeländischer Kultur. Der berühmte Kriegstanz Haka, mit dem die All Blacks, Neuseelands Rugby-Nationalmannschaft, die Gegner vor jedem Spiel einschüchtern, ist nur ein Beispiel dafür.
 Der Nasenkuss "Hongi" (Foto: Tourism New Zealand) Neuseelandreisende haben allerorts – in Kulturzentren, bei Spezial-Veranstaltern und Festivals - Gelegenheit, in eine faszinierende Welt voll mystischer Legenden und tiefer Spiritualität einzutauchen. Eine zentrale Botschaft der Maori lautet Mana Whenua a Tangata – Respekt vor dem Land und dem Mensch. Diese Geisteshaltung erlebt man in Neuseeland überall. Zum Beispiel im umsichtigen Umgang mit dem Naturreichtum in Aotearoa, dem Land der langen, weißen Wolke, wie die Maori ihre Heimat nennen: Ein Drittel der Landfläche steht unter Naturschutz – so viel, wie in keinem anderen Land der Erde. Den Anstoß hierfür lieferte ein Maori-Häuptling. 1887 schenkte Horonuku Te Heuheu dem gesamten neuseeländischen Volk das heilige Gebiet um die Vulkane Tongariro, Ngauruhoe und Ruhapehu im Zentrum der Nordinsel. Einzige Bedingung der Schenkung: das einmalige Naturszenario durch einen Nationalpark zu schützen. Der heutige Tongariro Nationalpark war nach dem Yellowstone-Park in den USA der zweite Nationalpark der Welt und zählt heute zum Weltnaturerbe der UNESCO.
Maoritanga – das Erbe der AhnenTrotz staatlich verbrieften Schutz ihrer heiligen Stätten drohte maoritanga, wie die Maori das Erbe ihrer Ahnen nennen, um die Jahrhundertwende in Vergessenheit zu geraten. In den 20er Jahren begannen die Maori, sich wieder auf ihre eigene Kultur zu besinnen. Maoritanga erlebte einen Aufschwung, der bis heute andauert: Sie richteten Werkstätten ein, in denen sie die meisterliche Schnitzkunst ihrer Vorfahren vervollkommneten. Sie erinnerten sich der Tänze, Lieder und Legenden ihrer Ahnen. Und sie tragen stolz die wohl auffälligste Besonderheit ihrer Kultur, das Moko. Die Ornamente und Symbole dieser traditionellen Gesichtstätowierung, malen die Maori heute vor allem zu festlichen Anlässen mit Schminke auf. In Schulen und Kindergärten belebten sie die Maori-Sprache, Te Reo, neu. Heute ist Te Reo neben Englisch offizielle Landessprache. Auch die pakeha, die europäisch stämmigen Neuseeländer, wünschen sich mit dem Maori-Gruß „Kia Ora“ einen „Guten Tag“. Und die meisten Orte und Landschaften tragen – wieder – die alten Maori-Namen. Alljährlich zelebriert ganz Neuseeland beim Pasifka Festival Kunst, Kultur und Kulinarik des polynesisch stämmigen Bevölkerungsteils, das nächste Mal am 8. März 2003 in Auckland.
Meisterwerke aus Holz und JadeKristallisationspunkt des Maoritanga bilden Kulturzentren im ganzen Land. Zu den bedeutendsten gehört das New Zealand Maori Arts & Crafts Institute in Te Whakarewarewa, dem heiligen Thermalgebiet in Rotorua. Hier haben manuhiri, die Besucher Neuseelands, die beste Möglichkeit, vor der großartigen Kulisse der bizarren Geysirlandschaft einen Einblick in die exotische Kultur der Maori zu bekommen. In Zentren wie Te Whakarewarewa erlernen junge Maori den kunstvollen Umgang mit toki und whao – Breitbeil und Meißel – mit denen sie unvorstellbar filigrane Kunstwerke schaffen. Dabei lassen sie sich gerne von den Manuhiri über die Schulter schauen. Die Größe der figürlichen Darstellungen namens Tiki reicht von mehreren Meter hohen, freistehenden Statuen bis zu zentimetergroßen Jadeanhängern, den glückbringenden Hei-Tiki. Die Schnitzwerke zieren Firstbalken, Säulen und Wandpaneelen von Häusern und erscheinen an Bug und Heck der bis zu 30 Meter langen waka, der pfeilschnellen Kriegskanus der Maori. Die umfangreichste Sammlung an historischer und zeitgenössischer Maori-Kunst findet man in Neuseelands Nationalmuseum Te Papa Tongarewa in der Hauptstadt Wellington. Weitere beeindruckende Zeugnisse der meisterhaften Maori-Schnitzkunst beherbergt das Auckland Museum, darunter das 25 Meter lange Kriegskanu Te Toki a Tapiri aus dem Jahr 1836.
 Der Kriegstanz Haka (Foto: Tourism New Zealand) Ein Festakt der GastfreundschaftGastfreundschaft ist den Maori so wichtig, dass sie ihrer Begrüßung einen mehrstündigen Festakt widmen. Das traditionelle Begrüßungszeremoniell powhiri gehört daher für Neuseeland-Neulinge zum absoluten Muss. Es beginnt mit dem wero, der Herausforderung des Fremden – oftmals wird hierbei der Kriegstanz haka aufgeführt. Dabei entscheidet sich, ob jemand in kriegerischer oder friedlicher Absicht gekommen sind. Ist letzteres der Fall, wird man mit dem „Nasenkuss“ Hongi willkommen geheißen und zu einem deftigen hangi geladen - ein Kartoffelgericht à la Maori, traditionell zubereitet im Erdofen. Ort des uralten Zeremoniells ist das marae, das Versammlungshaus jedes Maori-Dorfes, das allein schon wegen seiner aufwendigen Giebelschnitzereien einen Besuch Wert ist. Eines der schönsten und beeindruckendsten Exemplare der Maori-Baukunst ist das Versammlungshaus Te Poho-o-Rawiri in der Nähe von Gisborne im Osten der Nordinsel. Die reichen Schnitzereien im Inneren des Hauses zeigen Motive aus den zahlreichen Geschichten und Legenden der Maori dieser Region. Eine berichtet vom Häuptling Paikea, der Aotearoa dereinst auf dem Rücken eines Wals erreichte.
Reise durch eine Welt voller MythenWer mehr von den gewaltigen Legenden und der Maori-Kultur erfahren möchte, kann bei zahlreichen Maori stämmigen Veranstaltern spezielle Reisepakete buchen, zum Beispiel die ein- bis fünftägige Spiritual-Tour bei Long Island Tours an der Hawke’s Bay im Osten der Nordinsel – eine Reise mit vielen Tabus. Das Tabu oder tapu ist eines der wichtigsten spirituellen Begriffe in der Glaubenswelt der Maori. Sie bezeichnen damit den Schutz durch wohlmeinende Götter vor dem Einfluss böser Geister. Die Götter erwarten von den Menschen in ihrer Anwesenheit bestimmte Anstandsregeln. So schätzt der eine nicht, wenn man in seiner Nähe isst, ein anderer verlangt von Besuchern gewaschene Füße. Wer sich daneben benimmt, riskiert den Auszug des Gottes, was sich für alle Menschen an diesem Ort negativ auswirkt.Durch Gespräche mit Maori eröffnen derartige Kultur-Touren einen anderen Blick auf das Leben. Zum Beispiel, dass die Stellung in der Gesellschaft nichts mit Geld, dicken Autos oder anderen materiellen Statussymbolen zu tun haben muss. Bei den Maori ist für das Ansehen allein das mana zuständig. Mana bezeichnet einen Ehrbegriff, der viel damit zu tun hat, wie sehr sich der Einzelne für seine Familie (Whanau), seine Sippe (Hapu) oder seinen Stamm (Iwi) einsetzt. So besitzt etwa der Koch, der bei dem traditionellen Stammestreffen Hui mehrere hundert Menschen versorgt, ein großes Mana, dem die anderen selbstverständlich Respekt zollen.
Wo die Seelen Abschied nehmenIn früheren Zeiten war das Mana oft Anlass für Zwistigkeiten zwischen den einzelnen Iwi. Heute sind die generationsübergreifenden Feindschaften beigelegt; sie bieten höchstens Grund zum sportlichen Wettstreit, wie den Te Houtaewa Challenge an der Nordspitze Neuseelands. Der Marathonlauf geht zurück auf die Geschichte von Te Houtaewa, der die verfeindete Nachbarschaft um ein paar Kartoffeln erleichterte. Beim Mundraub erwischt, schlug er seinen Verfolgern einen Haken und rannte – bepackt mit zwei vollen Körben – über den Dünenstrand davon. Zur Erinnerung an den gewitzten Kartoffelheld schnallen sich jedes Jahr im März hart gesottene Langstreckenläufer ein Bastkörbchen auf den Rücken und laufen bis zu 60 Kilometer entlang des herrlichen Dünenstrands des 90 Mile Beach.Auch wer sich weniger für Sport denn für Maori-Kultur interessiert, ist an der 90 Mile Beach richtig. Abgesehen von endlosen Sandstränden und idyllischen Buchten ist die subtropische Nordspitze Neuseelands der Ort, an dem die Seelen verstorbener Maori Abschied nehmen. Am Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt der Aurouri Halbinsel, treten die Seelen ihre letzte Wanderung über den Pazifik in ihre sagenhafte Heimat Hawaiki an, in der vor Urzeiten ihre Vorfahren lebten.
Das Volk der sieben KanusIn Hawaiki lebt die Erinnerung der Maori an ihre nautische Vergangenheit fort, gehören sie doch zum Kulturkreis der Polynesier, die vom 4. bis zum 14. Jahrhundert den gesamten Ostpazifik besiedelten. Auf ihren Entdeckungsfahrten legten sie Abertausende von Kilometern auf offener See zurück, weshalb man sie auch oft „Wikinger der aufgehenden Sonne“ nennt. Zur Erinnerung: Zur selben Zeit glaubte man in Europa noch, jenseits des Mittelmeers über den Rand der Erde zu kippen. Neuseeland war die letzte Station der polynesischen Nautikmeister. Ausgrabungen datieren die ersten Maori-Siedlungen im 8. Jahrhundert – 800 Jahre bevor die ersten Europäer das Land der langen, weißen Wolke sichteten. Die letzten polynesischen Siedler landeten um das Jahr 1300. Der Legende nach kamen sie in sieben Kanus, auf die noch heute jeder Maori die Reihe seiner Vorfahren zurückzuverfolgen kann.
Seit der Ankunft der legendären Kanus haben sich die Maori so fest mit dem Land verbunden, dass sie zu jeder Hügelkuppe, jeder Flussbiegung und jeder Bucht eine Geschichte erzählen können. Und wer einmal angefangen hat das Land mit den Augen der Maori zu sehen, wird sich erst recht nicht losreißen können von den grandiosen Naturszenarien, mit denen die Erdmama Papa und ihre Kinder den Inselstaat im Südpazifik mehr als verschwenderisch beschenkt haben.
Quelle: Tourism New Zealand / bearbeitet von pairola-media
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